Trauer um Kurt Waldheim

Mitten ins gestern eher ruhigere Tagesgeschäft platzte die Nachricht vom Tod Kurt Waldheims, eine Nachricht, die für Erschütterung gesorgt hat. Kurt Waldheim war als einziger österreichischer UNO-Generalsekretär einer der bedeutendsten Österreicher des 20. Jahrhunderts. Kurt Waldheim war aber auch eine der ganz tragischen Figuren der österreichischen Nachkriegszeit.
Als UNO-Generalsekretär hat Waldheim nicht nur in internationalen Krisen erfolgreich vermittelt, es ist auch ihm zu verdanken, dass Wien heute UNO-Standort ist. Doch trotz seiner Verdienst wurde Kurt Waldheim Opfer einer üblen Verleumdungskampagne. Angestiftet laut Aussagen der meisten Zeitzeugen von der SPÖ-Zentrale wurde Waldheim als Nazi und Kriegsverbrecher dargestellt - eine Sichtweise, die eine üble Verleumdung ist. Zeitzeugen erzählen, wie Waldheim unter dem NS-Regime zwar als Soldat aktiv war, wegen seiner NS-kritischen Haltung aber unter "kritischer Beobachtung" der Schergen der Nazis stand.
Dennoch hat Kurt Waldheim auch Fehler begangen - Fehler, die er als greiser Mann auch selbst eingestanden hat. Er hätte seine Zeit unter dem NS-Regime ungeschönt darstellen sollen - und er hätte nie sagen dürfen "Ich habe nur meine Pflicht getan".
Und gerade hier ist auch ein positiver Effekt des Skandals um Waldheim zu erkennen: Durch die Erkenntnis, dass das Dienen für ein Unrechtsregime als "Pflicht" betrachtet werden kann, wurde eine dringend notwendige Diskussion gestartet: Was ist "Pflicht"? Wie gehorsam muss ein Soldat sein, wenn er im Heer eines verbrecherischen Regimes dient? Wo beginnt die Pflicht zum Widerstand? Fragen, die schmerzvolle Vergangenheitsbewältigung bedeuteten, die aber endlich gestellt werden mußten.
Kein Verständnis aber habe ich für all jene, die Kurt Waldheim auf dieses traurige Kapitel seines Lebens reduzieren: Für linke Protagonisten wie Vranitzky, Rabinovici, Sinowatz oder Fischer. Sie müssen sich die Frage gefallen lassen, ob sie, die jetzt mit dem linken Mainstream schwimmen, den Mut gehabt hätten, im NS-Regime gegen den verbrecherischem Strom der Machthaber zu schwimmen. Ich glaube es jedenfalls nicht.
Kein Verständnis habe ich auch für den ORF, der in völliger Negierung des Objektivitätsgebots die "Würdigung" Waldheims auf eine Kritik seiner Präsidentschaft reduzierte und seine Verdienst als UNO-Generalsekretär und Außenminister in der Südtirol-Frage nur am Rande beleuchtet hat.
Kurt Waldheim war ein Mensch wie andere auch: Er hat große Verdienste um Österreich, aber er hat auch schwere Fehler begangen. Die Hetzjagd, die die Linken auf ihn veranstaltet hatten, hatte er sich aber nicht verdient. Die Geschichte wird Kurt Waldheim den Platz zuweisen, der ihm zusteht.
Mein Mitgefühl gilt an dieser Stelle seinen Angehörigen, seiner Frau Elisabeth, seiner Tochter und seinem Schwiegersohn Othmar Karas, die einen großen menschlichen Verlust erlitten haben.
gerhard.loub - 15. Jun, 11:41